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Neue Bleibe für Hammerschmiedfete in über 100 Jahre alter Schmiede

Kirmesfreund Ulrich Russmann stellt die vom Großvater gegründete Originalwerkstatt zur Verfügung

Perfekt! Hammerschmied Bernd Matthaei empfängt seine Gäste zur Hammerschmiedfete am Sonntag, 18. Mai, zunftgerecht in einer urigen Schmiede-Werkstatt. Carsten Neef: „Der perfekte Raum!“ Ihre über 100 Jahre alte Schmiede in der Brunnenstraße überlassen Ulrich Russmann und Ehefrau Ingrid den Kirmesfreunden zum Traditionsempfang der Symbolfigur der Gevelsberger Kirmes. Auf den rund 150 qm findet alles Platz: Bänke und Tische, Stehtische, Theke, Büfett, Gäste und natürlich die vier Musiker der „Traditional Jazz Gang“. Carsten Neef, Geschäftsführer des Gevelsberger Kirmesvereins, richtete mit den Augen schon mal alles fetengerecht ein, als er den Raum bei einer Vorbesichtigung kennenlernte. Was er erblickte, fand sein uneingeschränktes Wohlgefallen. „Das ist genau das, was wir gesucht haben. Der perfekte Raum“, kommentierte er glücklich.

Gerd Laake „sägte“ beharrlich bei seinem Freund Uli
Die gleiche Begeisterung für diesen Ort hatte Gerd Laake schon vor Jahren und ihm gelang es, das Ehepaar Russmann zu überzeugen. Das brauchte allerdings zwei Jahre. „Ich habe immer wieder gesägt“, war Gerd Laake beharrlich drangeblieben und schließlich mit Erfolg.

Ulrich Russmann früher Aktiver des Hippendorfs
„Wir sind seit 1966 befreundet, Ingrid ist Patin von Gerd jüngster Tochter Corinna“, erzählt Ulrich Russmann von den langen guten Beziehungen der beiden Familien. Ulrich Russmann war früher im Hippendorf aktiv, solange es seine Zeit erlaubte. „Beim Hippendörfer Karneval waren die Russmanns immer die letzte Station, bestimmt zehn Jahre lang“, erinnert sich der Kunst- und Bauschlosser schmunzelnd an die wilden Jahre. Sein Geburtstag ist der 27. Juni und damit ist er ein Kirmeskind, dazu steht die Werkstatt nur 50 Meter vom Kirmesgeschehen entfernt. Ulrich Russmann fühlt sich der Kirmes so eng verbunden, dass er – wenn er mal zur Kirmeszeit versehentlich Urlaub macht – die Kirmesplakette mitnimmt und gut sichtbar auf einer Fensterbank platziert. 25 Jahre wohnte Familie Russmann in Voerde, zur Kirmes 2000 ist sie in das Wohnhaus vor der Werkstatt an der Brunnenstraße gezogen. Ulrich Russmann betreibt die Schmiede in der dritten Generation, seine Lehre begann er 1961 bei Hugo vom Bruch. Opa Georg Russmann baute die Werkstatt, das Wohnhaus kam später hinzu. Sohn Ewald führte das Unternehmen weiter. Es widmete sich in den Anfängen dem Kaminofenbau, später war es Kunstschlosserei. Ulrich Russmann befasst sich heute schwerpunktmäßig mit Autokühlern. Dem Heimatverein schenkte er zwei alte Maschinen für den Industriewanderweg Am Werde.

Kringel auf dem Amboss besiegelten Geschäftsabschlüsse
Mittelpunkt der Schmiede ist der Amboss. „Auf dem Amboss wurden viele Kringel gemacht, Zeichen erfolgreicher Verhandlungen“, erzählt Ulrich Russmann. Die Kringel wurden von gut gefüllten Schnaps-Pinnchen auf dem Amboss hinterlassen. Zum Abschluss der Besichtigung werden auch wir mit „Kringeln“ verwöhnt, denn Ingrid und Ulrich Russmann pflegen die Tradition. Anlässlich der Hammerschmiedfete will Ulrich Russmann das Schmiedefeuer mal wieder entfachen. An den Wänden der Werkstatt hängen Werkzeuge und Muster der kunstvollen Arbeiten. Auch die Transmission funktioniert noch, ein Uraltradio schmückt den Raum, das Meisterstück von Ulrich Russmann ist zu sehen und viele Relikte aus vergangener Zeit. Der Raum hat genau die Atmosphäre, in der sich ein Hammerschmied zu Hause fühlen kann.

Hubert Janorschke verstarb im April 2014
Bis 2012 feierten die Kirmesfreunde in der Kunstschmiede von Hubert Janorschke auf der Asbecker Straße, doch als dieser bald darauf erkrankte und seine Schmiede in der Asbecker Straße nicht mehr zur Verfügung stellen konnte, gab es keinen angemessenen Veranstaltungsort mehr. Eine Schmiede mit loderndem Schmiedefeuer sollte es schon sein. 2013 war man in die ehemalige Lagerscheune der Holzhandlung Mackensen an der Körnerstraße ausgewichen, doch ein Schmiedefeuer gab es dort natürlich nicht. Hubert Janorschke ist im April 2014 zum großen Bedauern der Kirmesleute verstorben, eine Rückkehr in seine Werkstatt damit ausgeschlossen.

(Quelle: Gevelsberger Kirmesverein)

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